Sebastian Winter – Autoritarismus und Geschlecht

Titel: „Autoritarismus und Geschlecht. Zur Psychoanalyse ressentimentgeladener Geschlechtsidentitäten“

Ankündigungstext:

Der Kampf gegen den „Gender-Wahn“ stellt ein verbindendes Element der unterschiedlichen Facetten der aktuellen extrem rechten Bewegung dar. Der Hass gilt einerseits einer angeblich „von denen da oben“ über Gender-Mainstreaming und Sexualkundeunterricht gesteuerten Zersetzung der „heilen“ Geschlechter- und Sexualitätsordnung und andererseits dem Sexismus der Anderen, der Ausländer. Diese Feindschaften sind keineswegs ein Randphänomen der rechten Ideologien, sondern gehören zu ihrem Kernbestand. Sozialpsychologisch lässt sich ihre affektive Attraktivität analysieren: Das Subjekt, das massenpsychologisch im Volk aufgehen will, strebt nach „absoluter Identität“, alle Widersprüche, Konflikte und jeder Mangel wird nach Außen, auf die Feind*innen projiziert. Geschlechtliche Identität nun ist stets und unvermeidbar ein hoch konfliktuöser Zustand, an dem diese Dynamik besonders deutlich aufscheint.

Referent:

Sebastian Winter ist Sozialpsychologe und Historiker. Derzeit verwaltet er eine Professur für Heilpädagogik an der Hochschule Hannover. Er ist Mitbegründer der „AG Politische Psychologie an der Leibniz Universität Hannover“, der „Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie“ und Mitherausgeber der „Freie Assoziation. Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie“. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Geschlechter- und Sexualitätsgeschichte des Nationalsozialismus, der deutschen Erinnerungskultur, der geschlechtertheoretischen Sozialisationstheorie, dem affektiven Erleben von Väterlichkeit sowie der psychoanalytischen Sozialpsychologie von Gemeinschafts- und Feindbildungsprozessen.

Zeit/Ort: 14:00-15:15 Uhr, Raum C22, Universität Trier