Panel 5: Materialismus, Kapital und Krise

Donnerstag, 14-18 Uhr


Referentin: Heide Gerstenberger
Titel: „Analytisches Potential und theoretische Fallstricke des historischen Materialismus“
Ankündigungstext:

Die Einbettung von Analyse in Geschichtsphilosophie, die seit der Aufklärung in Gesellschaftstheorie präsent war, kennzeichnet auch das Werk von Karl Marx. Während Theoretiker des Liberalismus der praktischen Kritik an vorbürgerlichen Verhältnissen Begründungen offerierten, haben Marx und Engels Gegnerinnen und Gegnern kapitalistischer Ausbeutung Gewissheiten über zukünftige Entwicklungen vermittelt.

Die tatsächliche Entwicklung des Kapitalismus hat die Notwendigkeit seiner Kritik bestätigt. Eine theoretische Begründung der politischen Praxis solcher Kritik verlangt inzwischen aber auch die Auseinandersetzung mit jenen Konzepten überhistorisch wirksamer Entwicklungsdynamik, die im wissenschaftlichen Werk von Marx gegenwärtig waren und in marxistischer Historiographie tradiert worden sind. Soll weiterhin an Marx angeschlossen werden, so muss untersucht werden, inwieweit Interpretationen, die aus seiner Verbindung von Strukturanalyse und Geschichtsphilosophie resultieren, revidiert werden müssen.


Referent: Thomas Sablowski
Titel: „Finanzialisierung und Krise des Kapitalismus“
Ankündigungstext:

Das Gesicht des Kapitalismus hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Der Vortrag gibt einen Überblick über einige Entwicklungstendenzen, wobei ein Schwerpunkt auf die Prozesse gelegt werden soll, die zu der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben. Im Zentrum stehen die Prozesse der Globalisierung und Finanzialisierung des Kapitalismus. Ferner sollen die Folgen der jüngsten Krise beleuchtet werden. Ziel des Vortrags ist eine Analyse der aktuellen Situation in Europa und in der kapitalistischen Weltwirtschaft.


Referent: Marc-Nicolas Sommer
Titel: „Negative Dialektik im Spannungsfeld von Idealismus und Materialismus“
Ankündigungstext:

Dialektik ist bei Platon der Name für diejenige philosophische Verfahrensart, in deren Vollzug das Denken seine Prinzipien einzuholen und in eine geordnete Struktur zu bringen vermag. Kant degradiert Dialektik zum Titel für ein System von Fehlschlüssen, in das sich unser Denken notwendig verwickelt. Hegel knüpft an diese Bestimmung an, treibt sie aber über ihr bloß negatives Moment hinaus, indem er in den dialektischen Widersprüchen das Potential ihrer Selbstauflösung freilegt und Dialektik so abermals zum Vollzug des sich selbst begründenden und systematisierenden Denkens macht. Negative Dialektik wendet sich gegen den Idealismus der positiven Dialektik Platons und Hegels – gegen die Prätention des Denkens, seine Prinzipien in seinen Machtbereich eingeholt zu haben. Negative Dialektik zielt auf eine Dialektik, die sich in selbstkritischer Wendung dem idealistischen Trug entzieht und damit zu einer materialistischen Dialektik wird. Der Vortrag will diese Wende verständlich machen.


Referent: Dieter Wolf
Titel: „Die ‚Bewegungsformen‘ des ‚absoluten Geistes‘ als Lösungsbewegungen des dialektischen Widerspruchs zwischen ‚Natur‘ und ‚Geist‘ und die ‚Bewegungsformen‘ des Kapitals als Lösungsbewegungen des dialektischen Widerspruchs zwischen Gebrauchswert und Wert.
Idealistische Dialektik – Systemtheorie – materialistische Dialektik“
Ankündigungstext:

Wenn von idealistischer und materialistischer Dialektik die Rede ist, dann soll in dem Vortrag auf eine grundsätzliche Weise erklärt werden, was Dialektik in Hegels Philosophie und in Marx‘ Kapital ist. Mit der Art und Weise, in der es in beiden theoretischen Unternehmen um Dialektik geht, gilt es zu zeigen, warum sie jeweils auf hohem Niveau Systemtheorien sind.

Entgegen solchen Auffassungen, Marx habe Dialektik mehr oder weniger ausdrücklich zugunsten leichter zu verstehender „Popularisierungen“ zum Verschwinden gebracht, soll gezeigt werden, dass es sowohl in Hegels „System der philosophischen Wissenschaften als auch im „Kapital“ von der ersten bis zur letzten Zeile um die dialektische Darstellung einer realen dialektischen Bewegung geht.
Hegel kennt die Bewegungsformen, die als Bewegungsformen des kapitalistischen Reproduktionsprozesses die Dialektik im Kapital bestimmen, nicht. Wie kann, fern von ahnungsvollen bzw. genialen Vermutungen, begründet werden, warum Hegel trotzdem eine „Dialektik“ konzipiert, deren Bewegungsformen im Sinne von Analogien bzw. Homologien mit den im Kapital dargestellten Bewegungsformen übereinstimmen? Mit der Beantwortung dieser Frage wird es darum gehen, was es im Sinne der Verwandlung der Philosophie, als „Liebe zum Wissen“ in wirkliches Wissen, grundsätzlich mit dem Zusammenhang zwischen der „Kritik der politischen Ökonomie“ und der Philosophie auf sich hat.

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