Panel 4: Soziale Kämpfe inkl. Diskussion

Donnerstag, 9-11 Uhr mit anschließender Diskussion (11-13 Uhr)


Referentin: Eva Bockenheimer
Titel: „Proletarier*innen aller Länder, vereinigt Euch – Wenn wir fast alle gemeint sind, aber meistens nur über die anderen reden“
Ankündigungstext:

„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ Mit dieser berühmten Losung schließen Marx und Engels das „Kommunistische Manifest“ und strahlen dabei die Sicherheit aus, dass nichts und niemand die proletarische Revolution stoppen kann – nicht zuletzt, weil die Arbeiterklasse massenmäßig haushoch überlegen ist. Aber hat diese Losung heute noch einen Sinn? Jahrzehnte hat ein Großteil der Linken der Orientierung am Proletariat abgeschworen oder behauptet, dass es ohnehin keine Arbeiterklasse mehr gebe. Seit Neuestem wird nun in linken Kreisen wieder darüber diskutiert, ob es nicht doch wichtig wäre, sich der Klassenfrage zuzuwenden. In diesen Diskussionen fällt auf, dass viele beim Wort „Proletarier*in“ das Bild eines männlichen Fabrikarbeiters oder einer weiblichen Reinigungskraft im Kopf haben, verbunden mit einem bestimmten Habitus; oder sie denken an Textilarbeiter*innen in Bangladesch. Somit reden sie zumeist über andere, nicht über sich selbst. Marx und Engels geben dagegen einen Begriff des Proletariats: Demnach gehören im weiteren Sinne alle Menschen zur Arbeiterklasse, die von den Produktionsmitteln getrennt und genötigt sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu leben; und im engeren Sinne vor allem diejenigen, die innerhalb eines Unternehmens zur Mehrwertproduktion beitragen – gleichgültig, welche Tätigkeit sie dabei verrichten. Sie mögen dabei mit einem hohen Gehalt bestochen und „verbürgerlicht“ sein, sie mögen privat in kleine Aktienfonds investieren oder etwas geerbt haben, sie mögen akademisch gebildet sein – solange sie dennoch ihre Arbeitskraft verkaufen müssen und vielleicht sogar als sogenannte „produktive Arbeiter*innen“ zur Mehrwertproduktion beitragen – unterliegen sie direkt oder indirekt dem im Kapitalismus zugrundeliegenden Ausbeutungsverhältnis. Selbstverständlich gibt es massive Unterschiede im Grad der Armut und der Ausbeutung von Arbeiter*innen, die man auch benennen sollte. Aber dennoch zeigt sich, wenn man den marxistischen Begriff des Proletariats zugrunde legt: Wir sind fast alle gemeint – und reden oft nur über die anderen! Das ist deshalb fatal, weil wir für die anderen nur kämpfen können, wenn wir dabei auch für uns selbst kämpfen. In diesem Vortrag soll es um die Frage gehen, wie uns diese Erkenntnis dabei helfen kann, eine zukünftige linke politische Strategie zu entwickeln.


ReferentInnen: Judith Dellheim und Frieder Otto Wolf
Titel: „‚Intersectionality‘ ist nur mit dem Marxschen Erbe wirklich radikal“
Ankündigungstext:

„Runde Marx-Geburtstage“ sind zumindest seit dem 100. Jubiläum Anlass für eine erneute öffentliche Auseinandersetzung mit dem Autor und nicht immer eine ehrliche Auseinandersetzung mit seinem Werk. Für jene, die mit dem Marxschen Erbe „die Welt“ begreifen und humanistisch umgestalten wollen, hat Ernst Bloch 1968 eine Orientierung gegeben: „aufrechter Gang, konkrete Utopie“ bei der Aneignung des Marxschen Erbes, bei seiner Befreiung von stalinistischer und dogmatischer Sterilität, von Verfälschung und Instrumentalisierung; im Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen. Bloch hoffte auf einen 200. Marx-Geburtstag in einer Welt ohne tödlichen Rassismus, ohne Hungersnöte und Faschismus. Die Geschichte hat seinen Optimismus letztendlich nicht bestätigt. Das zwingt zur Klärung des „Warum es so ist wie es ist und welchen eigenen Anteil man daran hat?“. So ist „Marx200“ eine Herausforderung zur radikalen Selbstkritik und zur radikalen Kritik der kapitalistischen Produktionsweise und der gesellschaftlichen Zustände, die mit ihr verknüpft sind, sowie der Ideologien, die sie stützen. Dazu gehört die Einsicht, dass die Erkenntnis der Endlichkeit und Spezifik der Marxschen Theorie eine zentrale Bedingung für ihre Erneuerung und Aktualisierung ist. Dies lässt sich z.B. in der Auseinandersetzung mit der Intersektionalitäts-Debatte zeigen. Aus dem Bestreben, der zunehmenden Exklusion kritischer Theorie aus der institutionalisierten Wissenschaft zu entgehen, befördert diese Debatte ihren neoliberalen Gebrauch: Sie untersucht und diskutiert zwar individuelle und gruppenbezogene Diskriminierungspraktiken nach Persönlichkeitsmerkmalen, aber betreibt dies nicht im Kontext mit der radikalen Analyse und Kritik der gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse insgesamt. Daher orientiert sie sich letztendlich auch nicht auf die zu entfaltende solidarische Intersektionalität der emanzipativen Kämpfe. Unser Beitrag soll jedoch im Sinne Blochs, das Marxsche Erbe nutzend, die Intersektionlitätsdebatte kritisieren und zugleich ein Diskussionsangebot für ein emanzipativ-solidarisches Verständnis von Intersektionalität der gesellschaftlichen Kämpfe und für eine darauf beruhende Praxis entwickeln.


Referent: Thorsten Mense
Titel: „Volk statt Klasse? Populismus und ‚Identität‘ als postmoderne Formen des Widerstandes.“
Ankündigungstext: folgt


Referentin: Lena Rackwitz
Titel: „Über die Auswirkungen des Fehlens einer ‚linkssozialistischen Partei'“
Ankündigungstext: folgt


DiskussionsteilnehmerInnen: Eva Bockenheimer, Judith Dellheim, Thorsten Mense, Lena Rackwitz

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