Audioaufnahme: Martin Seeliger – „Deutscher Gangsta-Rap – Zwischen Affirmation und Empowerment“, 25.05.2016, Trier

„Gangstarapper sind sexistische, homophobe Asis mit Migrationshintergrund und Hang zur Kriminalität.“ Das kann sein. Aber trotzdem ist das eine ziemlich reduzierte Sicht. Aus unterschiedlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Blickwinkeln unternimmt Martin Seeliger den Versuch, Gangstarap-Images als Aktualisierungsversuch hegemonialer Männlichkeit oder eines individualisierten Klassenkampfes verständlich zu machen. Mal sehen, ob es gelingt.

Martin Seeliger ist Post-Doc am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und Junior Fellow am Kolleg Postwachstumsgesellschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Audioaufnahme: Prof. Dr. Dieter Hüning – „Kapitalismus und Eigentum – Über den Zweck der rechtlichen Gewährleistung des Eigentums“, 01.06.2016, Trier

Der Gegenstand des Vortrags ist die Klärung der Frage, was eigentlich die im Grundgesetz (Art. 14, Abs. 1) formulierte Garantie des Eigentums bedeutet, genauer gesagt, worin die sozioökonomischen Konsequenzen der staatlichen Eigentumsgarantie bestehen. Der Vortrag wird sich zu diesem Zweck auf die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie, wie sie vor allem im Kapital entwickelt wurde, beziehen.

Nach einer weit verbreiteten ideologischen Ansicht besteht der Zweck des Eigentums in der bestmöglichen Versorgung der Bürger mit nützlichen Gütern, wobei die Ungleichheit der Eigentumsverteilung zugleich als Ausdruck einer unvermeidlichen Güterknappheit gedeutet wird. Der Vortrag beabsichtigt, entgegen dieser Deutung der kapitalistischen Eigentumsgesellschaft zu zeigen, dass die Staatsgewalt mit ihrer Eigentums­garantie ziemlich ungemütliche Verhältnisse in die Welt setzt: Eigentum ist daher nicht ein Verhältnis eines Menschen zu einer Sache, deren Gebrauch für ihn nützlich ist, sondern vielmehr die Grundlage eines staatlich verbürgten Verhältnisses von antagonistischen gesellschaftlichen Interessen, das die Masse der Gesellschafts­mitglieder von der Partizipation am gesellschaftlichen Reichtum ausschließt. Das ist der Witz am Privateigentum, dass in einer Gesellschaft, in der es gilt, die meisten Menschen eigentumslos sind. Durch die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln, die den Eigentümern gehören, sind die ersteren gezwungen, ihre Arbeitskraft lebenslänglich in den Dienst der Vermehrung fremden Eigentums zu stellen, ohne damit jemals in der Lage zu sein, den Ausgangspunkt des Verkaufs ihrer Arbeitskraft, d. h. ihre ökonomische Not und Armut aufgrund ihres Ausschlusses von den Produktionsmitteln aufzuheben.
Der bürgerliche Staat bewährt sich mit seiner rechtlichen Gewährleistung von Freiheit der Person und Eigentum als „ideeller Gesamtkapitalist“: Er dient nicht den konkreten ökonomischen Interessen einzelner Eigentümer, sondern versteht sich als Sachwalter kapitalistischer Geldvermehrung oder – wie Angela Merkel nicht müde wird zu betonen – des „Wachstums“.

Mehr Infos zu Dieter Hüning gibt es hier: https://www.uni-trier.de/index.php?id=56824

Audioaufnahme: Prof. Dr. Jürgen Link – „Von der Griechenlandkrise zur Flüchtlingslawine – Diskursanalyse einer Krisenlawine“, 11.05.2016, Trier

„Auf der „Zukunftskonferenz“ der CDU in Schkeuditz bei Leipzig am 14. Oktober 2015 versuchte Kanzlerin Merkel, die sich damals gerade überschlagende „Flüchtlingslawine“, die losgetreten zu haben ihr heimlicher Konkurrent Schäuble sie beschuldigt hatte, zu relativieren: Krisen seien nichts Neues in ihrer Kanzlerschaft, die eine Kette von Krisen gewesen sei von der Finanz- über die Euro- bis zur Griechenlandkrise. „Wir“ hätten immer alle Krisen „geschafft“. Was sind eigentlich Krisen in unserer sogenannten Postmoderne? Die hier zu erläuternde These lautet: Sie sind „Denormalisierungen“, Verluste von Normalitäten, und die werden diskursiv orchestriert, insbesondere von den Massenmedien, einschließlich Internet. Denormalisierungen sind zwar nicht bloß „Stimmungen“ (Heinz Bude), aber ohne Stimmungen wären sie nicht, wie man am massenhaften „Rechtsruck“ sieht. Diese allgemeine Problematik soll an den zwei Gipfeln der Zuspitzung im Jahr 2015 und ihrem Zusammenhang konkretisiert werden: der gnadenlosen Versenkung Griechenlands in die Dritte Welt, in eine niedrige „Normalitätsklasse“, durch ein Europa unter deutscher Hegemonie, und der dadurch erst „losgetretenen“ großen Denormalisierung der Massenflucht über die „Balkanroute“. Die erste, gegen Berlin dissidente, Syrizaregierung durfte „keinen Stich kriegen“, die von ihr formulierte „Hoffnung“ musste an der Wurzel zerstört werden – lieber eine Denormalisierung nach „rechts“ als nach „links“.“

Audioaufnahme: Ismail Küpeli – „Kobane als Schluesselereignis des Internationalismus“, 30.11.2015, Trier

„Der Kampf um Kobanê und Rojava ist eine zentrale Auseinandersetzung im Nahen und Mittleren Osten, in der alle relevanten Akteure auf die eine oder andere Weise involviert sind. Kobanê wird weiterhin die politischen Ereignisse in der Region prägen – sowohl den „Friedensprozess“ zwischen der Türkei und der PKK als auch den Bürgerkrieg in Syrien. Der Konflikt bietet Anlass, zentrale politische Auseinandersetzungen neu aufzugreifen – wie etwa die Frage nach Gewalt als Mittel der Politik und nach dem Entwurf einer neuen Gesellschaftsordnung. Anders gesagt: Lässt sich eine basisdemokratische Gesellschaft durch Krieg verteidigen oder ist eine militärische Auseinandersetzung der Tod für jegliches emanzipatorische Projekt?

Ismail Küpeli, Herausgeber des Sammelbands „Kampf um Kobane, Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens“, wird die Beiträge über die Situation in Rojava, die politische Lage in der Türkei, den blutigen Bürgerkrieg in Syrien und den „Islamischen Staat“ darstellen und die Überlegungen der AutorInnen zur Diskussion stellen.“

http://kupeli.blogsport.eu/2015/08/09/kampf-um-kobane-buchvorstellungen-und-vortraege/

 

Audioaufnahme: Prof. Dr. Alex Demirovic – „Das Konzept der Wirtschaftsdemokratie“, 12.01.2016, Trier

„Diese Veranstaltung, die gleichzeitig als Gründungsveranstaltung des Rosa-Luxemburg-Club (RLC) Trier fungiert (worüber ihr vort Ort mehr erfahren könnt), möchte sich dem Thema der Wirtschaftsdemokratie widmen. Ausgangspunkt für die Überlegungen bei Demirovic ist die zerstörerische Kraft der globalen Wettbewerbslogik, die auf alle Lebensbereiche der Individuen übergreift und diese zum Vorteil einer kleinen Gruppe und zum Nachteil der Mehrheit der Bevölkerung bestimmt. Eine Demokratisierung der Wirtschaft würde dazu beitragen, die scheinbar objektiv bestehenden Naturgesetzmäßigkeiten der Ökonomie durch demokratische Entscheidungen Aller zu verändern und zu bestimmen. Dabei macht Demirovic auf einige Probleme aufmerksam:

1. Welcher Regelungsmechanismus ist praktikabel für eine moderne globalisierte Wirtschaft?
2. Wie gestalten sich die Machtverhältnisse, da die Produktionsmittel privatisiert sind?
3. Wie soll eine Transformation konkret ausgestaltet sein?
4. Wie stellt sich die demokratische Willensbildung dar, wenn nicht klar ist welche Sphäre (Politik oder Wirtschaft) welchen Machtanspruch hat? (Problem der doppelten Volkssouveränität)“

Audioaufnahme: Dr. Thomas Sablowski – „Demokratie auf Sparflamme – Griechenland und die Krise“, 18.01.2016, Trier

„Vor knapp einem Jahr bedeutete der Wahlsieg von Syriza in Griechenland den Startschuss für eine erneute Zuspitzung der sogenannten Eurokrise. Die von diesem Zeitpunkt bis zum letztendlichen Memorandum geführten Verhandlungen zwischen der „Troika“ und der griechischen Regierung beherrschten die Berichterstattung sowohl in deutschen als auch europäischen und internationalen Medien. Die griechische Regierung war mit dem offen propagierten Ziel angetreten, die bisherige Austeritätspolitik zu beenden.

Doch wie sieht eigentlich eine ökonomische Kritik dieser „Sparpolitik“ aus und mit welchen klassentheoretischen und ideologischen Konsequenzen geht diese einher? Wie lässt sich erklären, dass auf die linkskeynesianischen Forderungen der Syriza-Regierung durch die europäischen Institutionen noch nicht mal in Form eines Kompromisses eingegangen wurde? Was bedeutet das für die europäische und griechische Demokratie? Und warum konnten sich die innerhalb von Syriza ebenfalls vorhandenen antikapitalistischen Kräfte gegenüber der Fraktion um Tsipras nicht behaupten?“