Audioaufnahme: Prof. Dr. Jürgen Link – „Von der Griechenlandkrise zur Flüchtlingslawine – Diskursanalyse einer Krisenlawine“, 11.05.2016, Trier

„Auf der „Zukunftskonferenz“ der CDU in Schkeuditz bei Leipzig am 14. Oktober 2015 versuchte Kanzlerin Merkel, die sich damals gerade überschlagende „Flüchtlingslawine“, die losgetreten zu haben ihr heimlicher Konkurrent Schäuble sie beschuldigt hatte, zu relativieren: Krisen seien nichts Neues in ihrer Kanzlerschaft, die eine Kette von Krisen gewesen sei von der Finanz- über die Euro- bis zur Griechenlandkrise. „Wir“ hätten immer alle Krisen „geschafft“. Was sind eigentlich Krisen in unserer sogenannten Postmoderne? Die hier zu erläuternde These lautet: Sie sind „Denormalisierungen“, Verluste von Normalitäten, und die werden diskursiv orchestriert, insbesondere von den Massenmedien, einschließlich Internet. Denormalisierungen sind zwar nicht bloß „Stimmungen“ (Heinz Bude), aber ohne Stimmungen wären sie nicht, wie man am massenhaften „Rechtsruck“ sieht. Diese allgemeine Problematik soll an den zwei Gipfeln der Zuspitzung im Jahr 2015 und ihrem Zusammenhang konkretisiert werden: der gnadenlosen Versenkung Griechenlands in die Dritte Welt, in eine niedrige „Normalitätsklasse“, durch ein Europa unter deutscher Hegemonie, und der dadurch erst „losgetretenen“ großen Denormalisierung der Massenflucht über die „Balkanroute“. Die erste, gegen Berlin dissidente, Syrizaregierung durfte „keinen Stich kriegen“, die von ihr formulierte „Hoffnung“ musste an der Wurzel zerstört werden – lieber eine Denormalisierung nach „rechts“ als nach „links“.“

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